Wegen des schnell lebensbedrohlichen Verlaufes eines Herzinfarkts oder dessen Vorläufer (schweres akutes Koronarsyndrom) ist die rasche, qualifizierte Hilfe des Rettungsdienstes notwendig. Bemerken Sie also bei sich, Ihrem Partner oder anderen Menschen typische Herzinfarkt-Symptome sollte umgehend ein Arzt verständigt werden – am besten über den Notruf!
Es müssen nicht alle Krankheitszeichen vorhanden sein; manchmal sind es auch nur ein oder zwei. Der Herzpatient ist oft von diesen akuten Herzbeschwerden psychisch und physisch so beeinträchtigt, dass er nicht mehr zu klaren Entscheidungen fähig ist und am liebsten in Ruhe gelassen werden möchte. Warten Sie bei einem Verdacht auf einen möglichen Herzinfarkt auf keinen Fall ab, schnelle ärztliche Hilfe ist unbedingt erforderlich.
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In der Regel wird der Arzt einen venösen Zugang am Arm legen, um die notwendigen Medikamente direkt in die Blutbahn zu injizieren. In Abhängigkeit von einer evtl. Luftnot lässt der Arzt über eine Nasensonde dem Patienten Sauerstoff zuführen. Auch die Gabe von Beruhigungs- und Schmerzmitteln bis zur weitestgehenden Schmerzfreiheit gehört zur Erstversorgung.
Sofern der Arzt erhöhte Blutdruckwerte feststellt, werden blutdrucksenkende Medikamente verabreicht. Besteht bei dem Patienten ein akutes Koronarsyndrom, so gibt der Arzt zusätzlich gerinnungshemmende Medikamente, wie z.B. Heparin.
Bei einem speziellen Verlauf (ST-Hebung) im EKG, liegt ein frischer Herzinfarkt vor, dessen Ursache ein die Herzkranzarterie verstopfendes Blutgerinnsel ist. Zum Auflösen des Blutgerinnsels wird eine so genannte Lysetherapie als Dauertropfinfusion eingeleitet (= Thrombolyse).
Auf Grund der hohen Frühsterblichkeit von Patienten mit akutem Herzinfarkt wurden in Nordamerika und zunehmend auch in Europa Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Krankenhäusern im Umgang mit so genannten „halbautomatischen Defibrillatoren“ geschult.
Angehörige von Patienten mit bekannter (schwerer) koronarer Herzkrankheit sollten sich für Wiederbelebungs-Kurse anmelden und die Bedienung dieser halbautomatischen Defibrillatoren erlernen.
Die wichtigsten Medikamente bzw. Medikamentengruppen sind:
- Thrombozytenaggregationshemmer (Hemmung der Blutgerinnung)
- Antikoagulantien (Hemmung der Blutgerinnung)
- Blutdrucksenker (z.B. Betarezeptorenblocker, ACE-Hemmer) – wobei bei diesen Substanzen nicht der blutdrucksenkende Effekt ausschlaggebend ist, sondern verschiedene andere positive Wirkungen auf Gefäße und Durchblutung
- Nitrate (Stabilisierung der Herzkranzgefäße)
- Digitalis (Steigerung der Herzkraft)
- Antiarrhythmika (Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen)
- Cholesterinsenker (Cholesterin ist Hauptauslöser der Arteriosklerose; Cholesterinsenker beeinflussen das Arteriosklerose-Risiko positiv)
Welche Medikamente bei Ihnen eingesetzt werden, ist abhängig von dem bei Ihnen individuell vorliegenden Krankheitsbild.
